VET REKORDER

Stimmen aus der Tiermedizin
Since 09/2025 13 Episoden

Schmerzen!

Erkennen, verstehen und behandeln mit Dr.in Julia Tünsmeier

31.08.2026 40 min

Zusammenfassung & Show Notes

Wie erkennt man Schmerzen bei einem Tier, das nicht sagen kann, wo und wie stark es wehtut? Warum werden gerade chronische Schmerzen bei Katzen noch immer häufig übersehen? Und weshalb bedeutet moderne Schmerztherapie weit mehr als die Gabe eines Analgetikums? In dieser Folge des VET REKORDER spricht Sascha Schiffbauer mit Dr. Julia Tünsmeier von der Klinik für Kleintiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover über moderne Schmerzmedizin bei Hund und Katze.
Im Mittelpunkt steht eine zentrale Frage: Wie können Tierärzt:innen, TFAs und Tierhaltende Schmerzen früher erkennen und die Lebensqualität betroffener Tiere nachhaltig verbessern? Dr. Julia Tünsmeier erklärt, warum insbesondere chronischer Schmerz häufig über Verhaltensänderungen sichtbar wird. Eine Katze, die nicht mehr auf die Fensterbank springt, sich weniger putzt oder zurückzieht, ist möglicherweise nicht einfach „alt“. Auch veränderte Aktivität, Aggression, Unsauberkeit oder eine geringere Bereitschaft, sich anfassen zu lassen, können Hinweise auf Schmerzen sein. Ein wichtiges Thema der Folge ist deshalb das Painscoring. Standardisierte Scoring-Systeme können helfen, die Schmerzbeurteilung objektiver zu machen, Veränderungen zu dokumentieren und definierte Interventionsgrenzen festzulegen. Dabei braucht es unterschiedliche Instrumente für akute und chronische Schmerzen sowie für Hund und Katze. Außerdem sprechen Sascha und Julia über Osteoarthrose und die Frage, weshalb insbesondere Katzen noch immer unterdiagnostiziert und untertherapiert sind. Auch der häufig gehörte Satz „Der ist eben alt“ kommt auf den Prüfstand: Altersbedingte Verhaltensänderungen können in Wirklichkeit Ausdruck chronischer Schmerzen sein.
Moderne Schmerztherapie ist dabei multimodal. Je nach Patient können Gewichtsmanagement, angepasstes Belastungsmanagement, Physiotherapie und Muskelaufbau mit medikamentösen, chirurgischen oder interventionellen Verfahren kombiniert werden. Neben etablierten Analgetika stehen heute zudem neue und spezifischere Therapieoptionen zur Verfügung.
Ein besonders wichtiger Gedanke aus dem Gespräch: Nicht nur Medikamente können Nebenwirkungen haben, auch unbehandelter chronischer Schmerz bleibt nicht ohne Folgen.
Weitere Themen dieser Folge:
• akuter versus chronischer Schmerz
 • Schmerzerkennung über Verhalten
 • Besonderheiten der Katze
 • Painscoring in Klinik und Praxis
 • Osteoarthrose bei Hund und Katze
 • Prävention und frühzeitige Aufklärung
 • multimodale Schmerztherapie
 • medikamentöse und nichtmedikamentöse Therapieoptionen
 • Nutzen und Risiken einer Langzeittherapie
 • Lebensqualität als Therapieziel
 • die wichtige Rolle der TFAs im Schmerzmanagement
 • Zusammenarbeit mit Tierhalter:innen
 • Initiative tiermedizinische Schmerztherapie (ITIS)
 • Fortbildung und Guidelines zur Schmerzmedizin
Vorstellung von Dr. Julia Tünsmeier auf der Seite der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo): https://www.tiho-hannover.de/kliniken-institute/kliniken/klinik-fuer-kleintiere/team/anaesthesie-und-analgesie/dr-med-vet-julia-tuensmeier 
Zusammenfassung dieser Folge in der KATZENMEDIZIN #30 und parallel auf dem Fachportal JUST4VETS: https://just4vets.online/gefluester/schmerzen-hund-katze-erkennen-vet-rekorder
Vorstellung der Initiative tiermedizinische Schmerztherapie (ITIS) im Artikel „Empfehlungen für die Schmerztherapie bei Hund, Katze und Kleinsäugern“ auf dem Fachportal VETLINE: https://vetline.de/empfehlungen-fuer-die-schmerztherapie-bei-hund-katze-und-kleinsaeugern